PROJEKT TOP 30


 

Lisa Kaminski und Hannah Pohl spielen nicht nur in der 1. und 2. Bundesliga in einer Mannschaft, sie treten auch bei nationalen und internationalen Turnieren als Damendoppel an. Platz 3 in Deutschland ist ihnen aber nicht genug – ihr Ziel: Deutscher Meister werden und unter die Top 30 der Weltrangliste gelangen. Im Interview sprechen die beiden über ihr Training, kommende Turniere und wie sie ihr Ziel erreichen wollen.

 

 

Hannah und Lisa, seit wann spielt ihr zusammen Doppel?

Hannah: Das müsste seit der Saison 2013/14 sein.

 

Kanntet ihr euch schon vorher?

Lisa: Ja, wir kommen ja beide aus Oberpleis, sind auf dieselbe Grundschule gegangen und waren beide Funkemariechen. Und ich war mit Hannahs Schwester befreundet und habe früher mit ihr in der Mannschaft Doppel gespielt.

 

Seit 2014 seht ihr euch ja nicht nur in der Halle, sondern wohnt sogar zusammen in einer WG. Geht ihr euch da nicht manchmal auf die Nerven?

Hannah: Das ist gar kein Problem für uns. Wir wohnen zu viert in der WG und hängen deswegen nicht nur zu zweit aufeinander. Wenn man Gesellschaft haben will, geht man in die Küche und wenn man seine Ruhe braucht, geht man halt in sein Zimmer.

 

Jetzt startet ihr ein gemeinsames Projekt. Warum habt ihr euch dafür entschieden und was wollt ihr erreichen?

Hannah: Wir bewegen uns damit außerhalb des Systems, wir sind ja in keinem Kader und bekommen dadurch keine Sporthilfe oder andere Fördermittel vom Verband. Hauptsächlich wollen wir das Ganze jetzt noch professioneller angehen, beispielsweise mit Internetpräsenz, um somit hoffentlich Sponsoren zu gewinnen. 

 

Warum seid ihr denn nicht im Kader?

Lisa: Badminton ist ja eine Individualsportart, vergleichbar mit Tennis, und deswegen finden wir, dass man mit individuellem Training am weitesten kommt. Beim 1. BC Beuel können die Trainer mehr auf uns eingehen. Am Stützpunkt wäre das wahrscheinlich schwieriger, weil wir als Deutschlands Nummer 3 nicht so hohe Priorität haben wie die Nummer 1 und 2. Also haben wir uns für das Training am Badminton European Training Centre in Beuel entschieden. Und wer nicht am Bundesstützpunkt trainiert, kommt nicht in den Kader.

 

Ihr wollt also professioneller arbeiten. Wie genau sieht euer Plan denn aus?

Lisa: Wir bauen gerade ein Team um uns herum auf, das versucht, uns rundum stärker zu machen – mental, physisch und spielerisch. Wir versuchen auch, uns erfahrene Spieler zur Seite zu holen. Damit wollen wir besser werden und die Nummer 1 und 2 in Deutschland einholen.

Hannah: Wir wollen alles aus uns herausholen. Und das geht halt nur,  wenn wir da ein paar Unterstützer um uns herum haben und da haben wir mittlerweile ein kleines Team an Leuten zusammengestellt.  

 

Gibt es dann alle paar Wochen eine Teambesprechung oder wie stimmt ihr euch im Trainingsalltag ab?

Lisa: Mit einigen werden wir natürlich täglich zusammenarbeiten, zum Beispiel mit unserer Physiotherapeutin Hanna und unserem Athletiktrainer Thilo sowie unserem Heimtrainer Martin.  Ansonsten wird sich dann noch zeigen, wie oft Treffen nötig sind. Wir haben da ja leider noch keine Erfahrungswerte. 

 

Ihr macht das ja nicht hauptberuflich, sondern habt noch ein Leben neben dem Sport.

Hannah: Genau, Lisa arbeitet schon halbtags und ich studiere Sportmanagement an der FH in Remagen. Ich gebe außerdem nebenbei Training.

 

Dann seid ihr ja jetzt schon zeitlich sehr eingespannt. Wie viele Stunden trainiert ihr denn pro Woche?

Lisa: Wir kommen in der Regel so auf 20 Stunden, inklusive Krafttraining neben dem Feld. Das ist schon eine harte Doppelbelastung neben Beruf oder Studium. Da wird die Steuerung von Belastung und Regeneration die größte Herausforderung werden.

 

Werdet ihr den Trainingsumfang jetzt trotzdem nochmal erhöhen?

Lisa: Erhöhen nicht, aber wir wollen die Zeit besser nutzen und effizienter trainieren. 

Hannah: Der 1. BC Beuel bietet uns ja schon echt gute Bedingungen. Wir müssen jetzt nur unsere Planung optimieren.

 

Ihr habt ja schon gesagt, dass ihr keine Fördergelder bekommt. Finanziert ihr dann bislang alles selbst oder bekommt ihr von anderer Seite Gelder?

Lisa: Wir finanzieren uns natürlich zum Teil durch unsere Jobs. Der Verein erstattet uns teilweise die Kosten für Turniere, aber das meiste zahlen wir selber. Daher suchen wir Sponsoren, um auch im Bereich der Diagnostik und Verletzungsprävention noch mehr machen zu können.

 

Hatte eine von euch schon mal eine schwerwiegende Verletzung?

Hannah: Ich hatte schon zwei Rückenverletzungen und die sind jeweils durch größere Dysbalancen entstanden. So was wollen wir in Zukunft natürlich vermeiden.

 

Nun ist Badminton ja nicht gerade dafür bekannt, der gesündeste Sport für den Körper zu sein. Wieso dann trotzdem ausgerechnet Badminton?

Hannah: Bei mir haben meine Mutter und meine Schwester gespielt, da habe ich als Kind ebenfalls angefangen.

Lisa: Ich fand Rückschlagsportarten schon immer spannend und da Badminton ja der schnellste Rückschlagsport der Welt ist, hat mich das angesprochen. 

Hannah: Badminton ist auch sehr vielfältig: Man muss stark sein, schnell sein und klug spielen.

 

Dennoch könntet ihr in einer anderen Sportart auf dem Niveau, auf dem ihr spielt, vielleicht sogar etwas Geld verdienen.

Hannah: Als Mann im Fußball, ja. Aber als Frau ist das überall schwer. Und Badminton wird von der Öffentlichkeit auch noch immer unterschätzt, weil viele einfach nicht wissen, wie vielseitig der Sport ist.

Lisa: Man entscheidet sich ja für eine Sportart, für die man eine Leidenschaft entwickelt und liebt den Sport einfach, dafür macht man dann alles. Dafür lohnt es sich. Es gibt so viele Sportler, besonders in den Randsportarten, die den Sport nicht wegen des Geldes ausüben. 

 

Verstehen denn eure Freunde und eure Familien, dass ihr so viel in diesen Sport investiert?

Hannah: Unsere Eltern hätten sicher lieber, dass wir einfach irgendeinen vernünftigen Job machen, aber sie haben uns schon immer unterstützt und lassen uns unser Ding machen.

Lisa: Und unsere Freunde sind das ja schon seit Jahren gewohnt und haben da Verständnis, dass wir vielleicht nicht so oft spontan Zeit haben. Gut finden sie das teilweise auch nicht, aber sie akzeptieren es. Wir müssen halt das machen, was wir wollen und wir stehen dahinter.

 

Was ist denn so das größte Ziel, das ihr euch gesteckt habt?

Hannah: Olympia ist natürlich ein Traum. Aber das ist extrem schwer zu erreichen.

Lisa: Weil wir nicht im Kader sind, müssten wir eindeutig die Besten in Deutschland sein und genug Geld haben, um das alleine zu finanzieren. Und am Ende müsste der Verband dann noch zustimmen, uns - statt eigener Kaderspieler - zu nominieren. 

Hannah: Im Doppel müssten wir dann auch noch unter den Top 20 der Welt sein, was jetzt auch nicht so leicht ist.

Lisa: Aber man muss ja auch Träume haben, auf die man hinarbeitet.

Hannah: Ein realistischeres Ziel wäre es, einmal Deutscher Meister zu werden und unter die Top 30 zu gelangen. Wobei wir uns dafür noch ein ganzes Stück verbessern müssen.

 

Was ist denn euer nächstes „Etappenziel“?

Lisa: Wir spielen im Juni die Mauritius International und wollen dort gewinnen! Dann hätten wir uns den Strandurlaub danach auch richtig verdient.

 

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